Ungerechtfertigtes Inkasso: Ab wann Rechtsanwalt einschalten?

Hand am Taschenrechner

Wer per Inkasso eine Rechnung erhält, ist erst einmal geschockt. Muss man bei zweifelhaften oder ungerechtfertigten Forderungen gleich einen Rechtsanwalt einschalten?

 

Wenn eine Rechnung per Inkasso kommt

Petra Meier öffnet den Briefkasten und wundert sich: Sie erhält eine Inkasso-Rechnung über einen Bauchweg-Gürtel. Inhalt des Schreibens: Die Bäckereifachangestellte habe vor drei Monaten besagten Gürtel bestellt, aber trotz mehrerer Mahnungen nicht bezahlt. Das Inkassounternehmen kündigt bei Nichtbezahlung der Forderung präventiv gleich weitere Kosten für das gerichtliche Mahnverfahren an. In weiteren Schritten stellt es eine Lohn- und Gehaltspfändung sowie Zwangsvollstreckung per Gerichtsvollzieher in Aussicht. Es handelt sich wohlgemerkt um 25 Euro für den Gürtel plus 54 Euro Gebühren für das Inkassounternehmen. Das Problem: Die zierliche 43-jährige hat nie einen Bauchweg-Gürtel bestellt – wofür auch - Meier hat gar keinen Bauch.

 

Bei ungerechtfertigtem Inkasso unbedingt Inkassounternehmen kontaktieren

Bei Inkassoforderungen, die irrtümlich bei Verbraucherinnen und Verbrauchern landen, rät Matthias Losert, Rechtsanwalt aus Berlin, zunächst Kontakt mit dem Inkassounternehmen aufzunehmen. „Das ist für mich der erste logische Schritt: Man muss dem Inkassounternehmen schließlich mitteilen, dass da etwas nicht korrekt gelaufen ist“, erklärt der promovierte Jurist. Vorteil: Es kostet den vermeintlichen Schuldner erst einmal nichts. Vieles lässt sich in einem kurzen Telefonat auch ohne weiteren Zeit-, Nerven- und Kosteneinsatz aufklären. 

Problematisch wird es, wenn das Inkassoschreiben auf einer echten Forderung beruht, die eine fremde Person unter fremdem Namen eingegangen ist. Das Stichwort lautet Identitätsdiebstahl. Laut Losert kommen Identitätsdiebstähle gar nicht so selten vor. Auch hier rät er in jedem Fall zunächst das Inkassounternehmen zu kontaktieren, ob per Telefon, E-Mail oder Brief sei erst einmal egal. 

 

Verbraucherzentrale als Anlaufstelle nach Kontakt zum Inkassounternehmen

Zeigt sich das Inkassounternehmen nicht kooperativ oder gesprächsbereit, ist in jedem Fall der kostenlose Inkasso-Check der Verbraucherzentrale eine sehr gute Anlaufstelle. Voraussetzung: Die Forderung darf nicht älter als drei Jahre sein und darf sich noch nicht im gerichtlichen Mahnverfahren befinden. Besonders nützlich ist beim Inkasso-Check, dass Sie sich per Multiple-Choice den passenden Musterbrief an das Inkassounternehmen einfach und schnell zusammenbauen können. 

Zudem können Sie als Opfer von Inkassobetrug auch eine Beschwerde über entsprechende Unternehmen und Inkassofirmen samt deren Praktiken direkt bei der Verbraucherzentrale einreichen. Ein weiterer Vorteil: Die Verbraucherzentrale weiß möglicherweise auch von weiteren Fällen, bei denen weitere Verbraucher von ungerechtfertigten Forderungen betroffen sind.

 

Was ein Rechtsanwalt bei Inkasso-Streitigkeiten kostet

Sollte sich die Forderung schon im gerichtlichen Mahnverfahren befinden oder droht gar eine Zwangsvollstreckung, reichen Musterbriefe allerdings nicht mehr aus. In dieser Phase wäre die kostenpflichtige Rechtsberatung der Verbraucherzentrale der nächste Schritt. Losert: „Die Rechtsberatung bei den Verbraucherzentralen ist um einiges günstiger als die direkte Beauftragung eines Rechtsanwalts.“ Für die Rechtsberatung bei der Verbraucherzentrale müssen Sie einen Termin vereinbaren. Persönliche Beratungen werden mit Pauschalen, beispielsweise für 30 Minuten, abgerechnet, Telefonate dagegen minutengenau.

Kann die Verbraucherzentrale Ihr Problem nicht lösen oder bedarf es weiterer juristischer Schritte, dann ist jetzt der Zeitpunkt für den Gang zum Rechtsanwalt gekommen. Bei der Auswahl sollte man darauf achten, dass der Anwalt der Wahl auf seiner Website Erfahrungen mit Inkassounternehmen angibt. Bei einem Streitwert von bis zu 500 Euro müssen Sie mit 90,96 Euro Kosten rechnen. Bei einem Streitwert von 500,01 bis zu 1000 Euro liegen laut Losert die Kosten für den Rechtsanwalt bei 159,54 Euro.

Petra Meier hat übrigens genau das getan, was Losert rät: Sie rief zunächst das Inkassounternehmen an. Schnell stellte sich heraus, dass sie mit einer Namensvetterin verwechselt wurde. Die Sachbearbeiterin entschuldigte sich bei Meier telefonisch. Es folgte noch ein schriftliches Schreiben verbunden mit der Bestätigung, dass es sich um eine Verwechslung handelte.

 

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