Nach dem Tod eines geliebten Menschen ein Schock: Schulden erben

Personen am Tisch

Angst vor dem Testament besteht wohl nur dann, wenn hohe Schulden drohen. Eltern können nach ihrem Tod den Kindern oder anderen Erben nicht nur ein Vermögen übertragen. Im Zweifel haften diese nämlich auch für Schulden im Nachlass.

Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass man einen Menschen verloren hat – es kann sein, dass man gleich mit dem nächsten schrecklichen Szenario konfrontiert wird: ein Haufen an Schulden, die man noch nicht einmal selber gemacht hat. Denn Schulden können grundsätzlich durch das Testament und die gesetzliche Erbfolge übertragen werden. Das heißt, wenn Sie ein Erbe antreten, erhalten Sie nicht nur das Vermögen, sondern auch alle Verbindlichkeiten des Erblassers. Als Erbe haften Sie folglich so auch für die fremden Schulden, und zwar mit ihrem gesamten Privatvermögen. Wie genau funktioniert das und wie lässt sich diese Kostenfalle vermeiden? 

 

Die gute Nachricht ist

Jeder kann einen Nachlass ausschlagen. Doch dafür muss man erst einmal wissen, dass einem ein Nachlass zusteht. Im Falle einer gesetzlichen Erbfolge bekommen Sie nämlich keine amtliche Benachrichtigung. Lediglich bei einer letztwilligen Verfügung (insbesondere Testament) oder wenn Sie in der Erbfolge nachrücken, informiert Sie das Amt. Auch wenn es unangenehm ist, lohnt es sich über das Thema in der Familie zu sprechen. Im schlimmsten Fall kann es nämlich dazu kommen, dass Sie sich selber oder andere überschulden, bis hin zur Insolvenz.

Um dies zu vermeiden, könnten Sie ein Erbe grundsätzlich ausschlagen. Jedoch sollten Sie bedenken, dass es nur möglich ist, den gesamten Nachlass abzulehnen: Sie können nicht einfach die Schulden verweigern, aber das Vermögen annehmen (§ 1922 BGB). Im Fall eines Verzichtens tritt der nächste Erbfolgende in die Verantwortung, also Onkel, Tanten, Cousins, Cousinen usw. Das geht in der Kette weiter, bis niemand mehr übrig ist – erst dann wird der Staat Erbe.

Um die unbequemen Fremdschulden zu vermeiden, sollten sie zunächst einmal nichts machen, was darauf hindeutet, dass Sie das Erbe antreten wollten. Hierzu zählt bereits, wenn Sie sich die geliebte Kommode ihrer Großmutter mitnehmen würden, – aber auch das Beantragen eines Erbscheins. 

 

Für das Ausschlagen eines Erbes gelten bestimmte gesetzliche Regelungen und Fristen 

Wenn Sie sich in der vorgegebenen Zeit nicht zurückmelden, gilt das Erbe als angetreten. Eben das passiert ungefragt und ohne Ihr Zutun. Sollte ein Nachlass unübersichtlich sein oder Sie sich unsicher, was zu tun ist, konsultieren Sie also unbedingt einen Fachanwalt für Erbrecht. Alternativ können Sie eine Nachlassverwaltung beim jeweiligen Gericht beantragen.

Zur sogenannten Kenntnisnahme haben Sie sechs Wochen Zeit (§ 1942 Abs. 2 BGB). Spätestens dann sollten Sie wissen, wie sie mit dem Nachlass umgehen wollen. Anders ist es, wenn der letzte Wohnsitz des Erblassers im Ausland war, dann gilt eine Frist von einem halben Jahr. Nutzen Sie die Zeit trotz schwieriger Umstände, um sich einen Überblick über die genaue finanzielle Situation des Erblassers zu schaffen. 
Gut zu wissen: Schulden jeder Art, egal ob privat oder nicht, sind vererbbar. Als diese gelten beispielsweise Hypothekenschulden, Darlehen bei Banken, Kosten für die Überziehung eines Kontos, Abzahlungskredite und Steuer- sowie Mietschulden und Schadensersatzforderungen gegen den Erblasser. Aber auch dazu zählen die sogenannten Erbfallschulden. Juristen sprechen hier von Nachlassverbindlichkeiten. Dies teilen sich zum einen in Erblassschulden, das sind offene Rechnungen des Verstorbenen. Zum anderen gibt es die Erbfallschulden. Diese ergeben sich durch den Tod, das könnten beispielsweise die Beisetzungskosten sein. Zu berücksichtigen ist, dass alle Schulden einer Verjährungsfrist von drei bis 30 Jahren unterliegen (§ 195, 197, 214, 315 BGB, Art. 229 § 6 EGBGB).

 

Zusammenfassend kann man sagen

Auch wenn es keine leichte Situation ist, überlegen Sie sich gut, ob Sie den Nachlass antreten oder ausgeschlagen wollen. Für den gesamten Prozess brauchen Sie nicht zwingend einen Anwalt oder Notar, Sie müssen sich bei der Ausschlagung beim Nachlassgericht lediglich persönlich ausweisen. In jedem Fall müssen Sie selbstständig aktiv werden, da Sie sonst automatisch erben (§ 1943 BGB). Sie können persönlich bei dem Nachlassgericht Ihres oder dem des letzten Wohnsitzes des Erblassers vorständig werden. Alternativ können Sie dafür einen Notar beauftragen. In beiden Fällen ergibt sich eine Gebühr, die sich nach der Höhe des Erbes richtet. Das Verfahren wird also umso teurer, desto höher der Nachlasswert ist. Ausgenommen ist der Fall, wenn ein Erbe überschuldet ist. Hierbei beträgt die Kostenpauschale für das Ausschlagen 30 Euro. 

Einen geliebten Menschen zu verlieren ist schwer und die Verarbeitung, die Trauer dauert und kann blockieren. Sollten Sie die Frist verpasst haben, einen überschuldeten Nachlass auszuschlagen, gibt es noch einen Ausweg: ein Nachlassinsolvenzverfahren. Hier müssen Sie sich aber bewusst sein, dass das Verfahren aufwendig ist und Gerichtsgebühren anfallen. 

 

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