Woran erkenne ich ein seriöses Inkassounternehmen?

Frau schaut auf Blatt Papier

Sie haben einen Inkassobrief erhalten und möchten wissen, ob ein seriöses Unternehmen dahintersteckt? Es gibt einige Merkmale, anhand derer Sie schnell erkennen, ob das Schreiben und sein Inhalt gerechtfertigt sind. Wir erklären Ihnen, worauf Sie achten müssen. 

Ein Inkassobrief enthält eine finanzielle Forderung, die noch zu begleichen ist. Sie werden also darauf hingewiesen, dass Sie noch offene Schulden haben und bekommen gleichzeitig Vorschläge, wie Sie diese bezahlen können. Bevor Sie hier aktiv werden, sollten Sie aber prüfen, ob es sich bei dem Absender des Schreibens um ein seriöses Inkassounternehmen handelt und ob die Forderungen an Sie überhaupt berechtigt sind.

 

Bevor wir Ihnen Tipps geben, wie Sie seriöse Inkassobüros und Betrugsfirmen voneinander unterscheiden können, haben wir für Sie noch einmal wichtige Fakten zum Thema Inkasso zusammengefasst:

Was bedeutet Inkasso eigentlich?

Der Begriff „Inkasso“ stammt vom italienischen „incassare“ ab und bedeutet so viel wie „einkassieren“ oder „Geld einziehen“. 
 

Was macht ein Inkassounternehmen?

Haben Privatpersonen oder Unternehmen Schulden gemacht und zahlen diese nicht zurück, können Inkassounternehmen mit dem Einfordern der Zahlungen beauftragt werden. Das nennt man auch „Forderungsmanagement“. Die Inkassobüros erhalten dann von den Gläubigern die Vollmacht, die entstandenen Schulden in ihrem Namen einzuholen. Oder sie „erwerben“ die Schulden von ihnen und fordern sie dann unter eigenem Namen ein.

Warum werden Inkassobüros beauftragt?

Unbezahlte Rechnungen anzumahnen, ist ein sehr zeitaufwändiges Unterfangen. Das Bearbeiten von Zahlungserinnerungen und Mahnungen kann wichtige Ressourcen blockieren, die an anderer Stelle dringender benötigt werden. Deshalb können diese Aufgaben auch ausgelagert werden – an Inkassounternehmen.
 

An diesen 7 Merkmalen erkennen Sie ein seriöses Inkassounternehmen

Wenn Sie ein Inkassoschreiben bekommen haben, ist nicht immer gleich auf den ersten Blick klar, ob dies auch rechtens ist. Deshalb sollten Sie folgende Dinge überprüfen, um sicherzugehen, dass es von einem seriösen Unternehmen stammt. Jede Frage, die Sie mit „Ja“ beantworten können, ist ein Hinweis auf ein vertrauenswürdiges Inkassobüro. Bleiben Fragen aus dem Schreiben offen, wird Ihnen ein seriöser Absender diese gern freundlich am Telefon beantworten.

 

1. Ist Ihnen der Gegenstand des Mahnverfahrens bekannt?

Können Sie nachvollziehen, ob die entstandenen Schulden tatsächlich durch Sie entstanden sind? Oder wird hier ein Betrag für etwas angemahnt, dass Sie weder gekauft noch bestellt oder anderweitig erworben haben? Dann könnte ein Identitätsbetrug vorliegen und die die Forderung wäre hinfällig. Trotzdem sollten Sie unbedingt Widerspruch einlegen. Solange Sie sich nicht melden, geht das Inkassobüro davon aus, dass Sie nicht zahlen wollen, und schreibt weitere Briefe und E-Mails bis zum Mahnbescheid.
 

2. Ist die Forderung berechtigt?

Bedenken Sie: Inkassoforderungen kommen häufig erst dann, wenn mindestens eine oder zwei erfolglose Mahnungen verschickt worden sind. Die Entstehung der Schulden kann also einige Zeit zurückliegen. Deshalb müssen die Fakten zum ursprünglichen Vertragsabschluss (also z.B. das Kaufdatum und Vertragsgegenstand) im Schreiben genannt werden. Wenn Sie bereits eine der Mahnungen vollständig beglichen haben, müssen Sie keine weiteren Zahlungen leisten. 

 

3. Wird der Name des Gläubigers genannt?

In einem seriösen Schreiben wird der Name des Gläubigers genannt. Also die Person oder das Unternehmen, bei dem die Schulden entstanden sind. Dieser Auftraggeber des Inkassobüros muss für Sie als Empfänger klar erkennbar sein.

 

4. Ist das Unternehmen im Rechtsdienstleisterregister registriert?

Ein Inkassounternehmen darf man in Deutschland nur führen, wenn man seine Sachkunde bei einem zuständigen Gericht nachgewiesen hat. Dann erhält man eine behördliche Genehmigung und einen Eintrag ins Rechtsdienstleisterregister. Jeder Verbraucher – also auch Sie – kann hier kostenfrei nachschauen, ob das genannte Inkassounternehmen registriert ist. Aber: Auch trotz Registrierung kann es sein, dass einzelne Methoden der Unternehmen nicht seriös sind.

 

5. Hat das Inkassounternehmen eine ladungsfähige Adresse?

Seriöse Inkasso-Dienstleister müssen bei ihrem Schriftverkehr eine ladungsfähige Anschrift angeben. Das heißt, sie müssen unter der angegebenen Adresse auch tatsächlich anzutreffen sein. Die Angabe eines Postfaches ist nicht ausreichend. Hier hilft auch manchmal die Adresseingabe bei einem Online-Kartendienst, um zu überprüfen, ob sich das Büro an einem realistischen Ort befindet.

 

6. Gibt es eine Vergütungsverordnung?

Unseriöses Inkasso erkennen Sie auch an überhöhten Kosten. Achten Sie deshalb darauf, ob es eine Vergütungsverordnung gibt, die sich am anwaltlichen Vergütungssystem orientiert. Diese Information muss in jedem Inkasso-Schreiben klar für Sie erkennbar sein.

 

7. Ist das Unternehmen Mitglied im Bundesverband Deutscher Inkasso Unternehmen (BDIU)?

In diesem größten Branchenverband ist die Mehrzahl aller deutschen Inkassounternehmen vertreten. Jedes Mitglied verpflichtet sich zur Einhaltung strenger Regeln, um die Seriosität der Branche sicherzustellen. Im Zweifelsfall sollten Sie beim Verband anfragen, ob das Unternehmen tatsächlich Mitglied ist oder Sie schauen im Online-Mitgliederverzeichnis nach.

 

Das Wichtigste in Kürze für Sie zusammengefasst:

Seriöse Unternehmen erkennen Sie an folgenden Merkmalen:

  • Das Unternehmen hat eine übersichtliche Webseite mit gut auffindbarem Impressum.
  • Schriftstücke sind sachlich und in fehlerfreiem Deutsch verfasst sowie mit allen nötigen Informationen versehen.
  • Es ist eine kostenfreie Telefonnummer für Rückfragen angegeben.
  • Auf Anfrage erhalten Sie ein Angebot mit einem individuellen Rückzahlungsplan.
  • Sachstände und Kosten können Sie jederzeit transparent einsehen.
  • Die Gebühren sind angemessen und nachvollziehbar.

Stutzig werden sollten Sie, wenn:

  • Mitarbeiter/innen des Inkassounternehmens Sie bedrohen oder unter Druck setzen, z.B. durch aggressive Ankündigung von Zwangspfändungen, Kontosperren oder Besuch des Gerichtsvollziehers. Diese Maßnahmen sind immer nur die letzte Konsequenz, wenn keine Einigung erzielt werden konnte. 
  • Keine Angaben zu Anschrift und Kontaktmöglichkeit erkennbar sind.
  • Die Inkasso-Forderungen aus dem Ausland kommen oder Sie Geld auf ausländische Konten überweisen sollen, obwohl die Schulden bei einem deutschen Unternehmen entstanden sind.
  • Die Gebühren sittenwidrig und übertrieben hoch erscheinen. 
  • Unrealistische Zahlungsfristen gesetzt werden, die teilweise sogar in der Vergangenheit liegen.
  • Mitarbeiter/innen des Inkassounternehmens Sie unangemeldet zuhause aufsuchen.

Sollten Sie Zweifel oder Fragen haben, wird Ihnen diese ein seriöses Unternehmen stets auch Nachfrage sachlich beantworten. Ist dies nicht möglich, können Sie z.B. bei der Verbraucherzentrale um Rat fragen und das erhaltene Schreiben prüfen lassen.

 

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