Warum Sie ein Brötchen ohne Inkasso drei Euro kosten könnte

erschrockene Frau

Sie wünschten sich, es gäbe kein Inkasso? Wir zeichnen eine Vision: Wie würde eine Welt aussehen, in der es kein Inkasso gäbe? Was passiert, wenn Rechnungen nicht bezahlt und offene Beträge nicht eingeholt werden können? Es ist ein überraschend düsteres Szenario.

“Ganz schön teuer!” Herr R. fischt empört drei Scheine aus seiner Brieftasche. Fünf Brötchen für 15 Euro? Seit die neue Regierung Inkassodienste verboten hat, sind die Preise nicht nur für Brötchen explodiert. Überall stiegen die Preise. Durch die stark erhöhte Anzahl an Zahlungsausfällen, versuchte jeder Ladenbesitzer diese Verluste auszugleichen, indem er die Kosten auf alle Kunden umlegte.

Zunächst hatten sich viele Bürger noch gefreut über die Änderung, doch allmählich machten sich immer mehr negative Folgen bemerkbar: Zahlreiche Firmen gingen bankrott, weil sie auf hunderten nicht-eingelösten Lastschriften sitzen blieben. 2018 führten Inkasso-Dienstleister noch 5,8 Milliarden Euro in den Wirtschaftskreislauf zurück, im Auftrag von einer halben Million von Auftraggebern. Doch nun blieben besonders Online-Händler auf ihren Rechnungen sitzen. Ohne Inkassounternehmen konnten diese nicht mehr eingezogen werden. Die Anzahl der zahlungswilligen Kunden sank, denn viele Kunden besitzen keine Kreditkarten oder wollten Ihren Daten aus Datenschutz-Bedenken nicht jedem Händler preisgeben.

Die Folgen waren für alle Kunden fatal: Wenn eine von zehn Zahlungen nicht eingelöst wird, steigen die Preise, um die Kosten decken zu können um zehn Prozent. Die Kosten wurden auf die zahlenden Kunden verteilt, die Preise stiegen weiter. So wurden auch Lebensmittel immer teurer, bis schließlich ein Brötchen drei Euro kostete.

Doch zu viele Kunden bestellten Waren und Dienstleistungen, die sie nicht bezahlen konnten und bezahlten sie nicht. Die Zahlung per Nachnahme wurde plötzlich wieder beliebt, doch oft wurden die Pakete per Tracking von Fremden abgefangen und der Kunde weigerte sich, zu zahlen. Auch die Zahl der Wohnungseinbrüche nahm zu, da Diebe oft durch das Bargeld angelockt wurden, das jeder nun ständig im Haus haben musste.

 

Nur Bares ist Wahres, Kartenzahlung ist unerwünscht

Auch Kartenzahlungen im Handel wurden eingestellt, da viele per Lastschrift funktionierten, es gab zu viele Rückläufer. Als Folge bauten viele Läden ihre Kartenterminals ab und akzeptierten nur noch Bargeld. Wer keines hatte, musste auf einen spontanen Einkauf verzichten. An den Kassen bildeten sich lange Schlangen, weil nur noch Bargeld akzeptiert wurde. Oftmals ging schon frühzeitig das Wechselgeld aus.

Immer öfter tauchten “Blüten”, also gefälschte Geldscheine, auf. Jede Zahlung mit Bargeld wurde streng kontrolliert, sogar gefälschte Münzen tauchten auf.
Auch die Zahl der Raubüberfälle auf Läden und Personen stieg sprunghaft an. Auch Herr R. hatte schon einen falschen Fünfziger erwischt, er war bei einer Bargeld-Überprüfung aufgefallen, wie sie jetzt in vielen Läden Pflicht waren. Sehr peinlich, aber Herr R. war nicht der Einzige, dem das passiert war.

Viele Handy-Verträge, die bisher per Lastschrift bezahlt wurden, mussten auf Prepaid, also Vorkasse, umgestellt werden. Das Aufladen war umständlich, da man wieder Auflade-Codes im Kiosk oder Supermarkt kaufen musste. Die praktische Methode per SMS oder WhatsApp-Nachricht Guthaben zu kaufen, wurde stark eingeschränkt, weil auch sie Lastschrift-Verfahren benutze. Oft waren Guthaben schnell aufgebraucht und mussten erst nachgeladen werden, bevor weiter telefoniert oder das Internet weiter genutzt werden konnte. Die Verbindungen brachen einfach ab, wie in einer alten Telefonzelle, wenn alle Münzen aufgebracht waren. Auch Internet-Verbindungen wurden gekappt, Carsharing-Autos und E-Scooter konnten dann nicht mehr gebucht oder zurückgegeben werden, Google Maps funktionierte nur noch, wenn man vorher genau die Kartenausschnitte, die man brauchte, heruntergeladen hatte. Auch per WhatsApp bekam man unterwegs keine Nachrichten mehr.

 

Tresorhersteller und Geldtransporteure haben volle Auftragsbücher

Selbst auf dem Bau und beim Autokauf wurden große Summen wieder in bar bezahlt, niemandem wurde mehr vertraut. Tresor-Hersteller und Geldtransporteure hatten Mühe, der steigenden Nachfrage Herr zu werden. Sie hatten plötzlich volle Auftragsbücher. Die Zahl der Raubüberfälle nahmen weiter zu, Geldtransporte mussten von der Polizei begleitet und stark gesichert werden. Kunden versuchten, größere Mengen Bargeld so schnell wie möglich wieder loszuwerden, viele Läden stellte bewachte Geldautomaten auf.

 

Die Zahlungsmoral sinkt, auch Gehälter kommen später

Allgemein ging die Zahlungsmoral in Deutschland deutlich zurück, zwar wurden die Gesetze zur Zahlungsfrist nicht geändert, doch viele Kunden zahlten ihre Rechnungen jetzt deutlich später als vor dem Verbot. Es hatte die Zahlungsmoral deutlich sinken lassen, statt Rechnungen später zu zahlen, wurden sie jetzt oft beiseitegelegt und ganz vergessen, denn es drohten keine negativen Konsequenzen mehr.

Gerichte bekamen mehr zu tun, die Zahl der gerichtlichen Mahnbescheide und Vollstreckungs-Titel explodierte. Auch Gehälter wurden von einigen Unternehmen immer später gezahlt, was für viele Arbeitnehmer zu einem großen Ärgernis wurde. Auch Herr R. musste immer wieder auf sein Geld warten. Zwar konnte er es sich neuerdings auch bar auszahlen lassen, doch die Schlange vor der Kasse seiner Firma war fast ebenso lang wie die jetzt beim Bäcker gewesen...

Zunächst hatte es sich für Viele nach einer guten Idee angehört, als das Inkasso abgeschafft wurde. Es gab viel Zustimmung für diesen radikalen Schnitt. Doch dieser hatte sich bald als folgenschwerer Fehltritt erwiesen. Die negativen Folgen waren für viele Menschen massiv zu spüren - für Kunden und Verkäufer. Wer mag es schon, wenn man für seine Arbeit nicht bezahlt wird? Inkasso mag nicht angenehm sein, aber für das Funktionieren einer Volkswirtschaft ist es von großer Bedeutung.

 

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